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Gedanken zur Dev Women Cologne 2026

Ein Abend unter Frauen aus der IT entwickelt sich anders als gedacht und wirft eine Frage auf, die über das Thema hinausgeht: Welche Rolle spielt Verhalten in Zusammenarbeit und warum unterschätzen wir seine Auswirkungen so oft?

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Ich bin mit einer falschen Erwartung hingegangen. Und das war gut so.

Der Abend bei den Dev Women Cologne hätte ein Gespräch über Selbstbewusstsein werden sollen – wie man klarer auftritt, wie man sich in einem männlich geprägten Umfeld positioniert, ohne sich dabei zu verbiegen. Diese Fragen sind berechtigt. Aber sie sind auch bequem, weil sie die Verantwortung dort lassen, wo sie viele erwarten: bei der einzelnen Person, die lernen muss, sich besser durchzusetzen.

Was sich im Laufe des Abends gezeigt hat, war etwas anderes.

Es waren konkrete Situationen: Frauen, die in Meetings übergangen wurden. Perspektiven, die in strategischen Entscheidungen schlicht nicht vorkamen. Und irgendwo in diesen Gesprächen eine Grenze, die sich unmerklich verschoben hatte – von schwieriger Kommunikation hin zu Verhalten, das einen anderen Namen verdient.

An diesem Punkt hat sich für mich die eigentliche Frage des Abends herauskristallisiert:

Was passiert, wenn niemand reflektiert, welche Wirkung sein Verhalten auf andere hat?

Anpassen ist nicht die Antwort

Es gibt einen Gedanken, der in solchen Gesprächen fast automatisch auftaucht: Vielleicht muss man nur lernen, sich besser durchzusetzen. Klarer kommunizieren. Sich stärker positionieren.

Ich halte das für die falsche Frage.

Nicht weil Kommunikation keine Rolle spielt, sondern weil diese Perspektive stillschweigend voraussetzt, dass es ein "richtiges" Kommunikationsverhalten gibt – einen Stil, an den sich alle angleichen sollten. Dabei akzeptieren wir in anderen Bereichen selbstverständlich, dass Menschen unterschiedlich denken, sprechen und wahrnehmen.

Was im Arbeitskontext fehlt, ist nicht die Bereitschaft einzelner Menschen, sich anzupassen. Was fehlt, ist die Bereitschaft zu fragen: Welche Wirkung hat mein Verhalten auf mein Gegenüber? Und: Bin ich bereit, das als meine Verantwortung zu verstehen?

Warum das keine persönliche, sondern eine strukturelle Frage ist

Was mich im Nachgang am stärksten beschäftigt hat, ist wie konsequent solche Situationen auf der persönlichen Ebene diskutiert werden – während die strukturellen Auswirkungen ausgeblendet bleiben. Dabei sind sie sehr konkret.

Wenn Menschen sich nicht ernst genommen fühlen, ziehen sie sich zurück. Sie bringen weniger Perspektiven ein, halten Informationen zurück oder verlassen das Unternehmen. Was davon sichtbar bleibt, sind selten die eigentlichen Ursachen, sondern ihre Folgen:

  • Entscheidungsgrundlagen werden unvollständig, weil relevante Perspektiven fehlen
  • Abstimmungen verlängern sich durch Unsicherheiten, die niemand offen benennt
  • Konflikte verlagern sich in informelle Räume, statt konstruktiv gelöst zu werden
  • Vertrauen nimmt ab – Zusammenarbeit wird vorsichtiger, langsamer, weniger ehrlich
  • Wissen geht verloren, wenn Mitarbeitende sich zurückziehen oder kündigen
  • Und am Ende entstehen messbare Kosten: durch Fluktuation, Einarbeitung, sinkende Produktivität

Diese Effekte treten nicht abrupt auf. Sie wirken schleichend und bleiben lange unbeachtet, obwohl sie ein System längst einschränken.

Ein Buch, das zur richtigen Zeit kam

Während meines Reha-Aufenthalts bin ich auf „Was Sie hierher gebracht hat, wird Sie nicht weiterbringen" von Marshall Goldsmith gestoßen. Der Titel klingt provokant und den Kern hat Goldsmith getroffen.

Goldsmith beschreibt, wie Verhaltensweisen, die uns in bestimmten Phasen erfolgreich gemacht haben, in anderen Kontexten ihre Wirkung verlieren oder hinderlich werden – besonders dann, wenn Zusammenarbeit und Verantwortung eine größere Rolle spielen als individuelles Durchsetzen.

Was mich daran angesprochen hat: Wirklich jeder kann erfolgreicher werden, solange sich ein Jeder sich mit der eigenen Wirkung auseinandersetzt, statt Kommunikation als Problem der anderen zu betrachten.

Was der Abend hinterlassen hat

Unabhängig von den inhaltlichen Fragen war der Abend selbst vor allem deshalb wertvoll, weil er Themen sichtbar gemacht hat, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben und dadurch leicht unterschätzt werden.

Ich gehe mit einer klareren Überzeugung raus: Verhalten ist kein Persönlichkeitsmerkmal, das man hinnehmen muss. Es ist ein steuerbarer Faktor und wer das erkennt, trägt Verantwortung dafür, was er damit macht.

Wer das Buch kennenlernen möchte: Hier geht es zur Buchempfehlung