Surreales Postkarten-Design: Gefangen im Jetzt, getrieben vom Vielleicht

Die Aufgabenstellung
Im Kommunikationsdesign-Studium lautete die Aufgabe, eine surrealistische Postkarte zu gestalten, die die eigene Persönlichkeit interpretiert. Die Selbstdarstellung war also Teil der Vorgabe, nicht meine eigene Idee.
Was Surrealismus NICHT ist
Am Anfang war das schwieriger als gedacht. Ich habe zunächst sehr stark in realistischen Bildern gedacht: Himmel, Wolken, klare Szenen, alles nah an dem, was man kennt. Auch farblich war ich lange in einem eher klassischen Blau unterwegs. Das Problem war, es fühlte sich stimmig an, aber nicht wirklich surreal.
Erst im Austausch und durch mehrere verworfene Entwürfe habe ich gemerkt, dass ich mich bewusst von dieser Realität lösen muss. Surrealismus bedeutet, Dinge bewusst zu verfremden und neu einzuordnen, nicht nur in einen untypischen Kontext zu setzen.
Die grundlegende Idee
Die Gestaltung basiert auf einem Kontrast, der sich durch das gesamte Bild zieht: eine helle, weiche Seite und eine dunklere, ernstere Seite. Die rosa und blauen Wolken stehen für Leichtigkeit, Ruhe und etwas Verspieltes. Der Übergang zur dunkleren Seite markiert eine andere Realität, ernster und weniger kontrollierbar. Dieser Kontrast spiegelt für mich das Leben selbst wider: keine klare Stimmung, sondern Gegensätze, die nebeneinander existieren.
Zentrale Elemente und ihre Bedeutung
Die Wolken bilden die Grundlage und stehen für Weichheit und Zärtlichkeit. Gleichzeitig schaffen sie einen Raum, der nicht greifbar ist und sich damit von der Realität löst.
Ein Teil dieser Ebene sind die angedeuteten Sternzeichen im Himmel. Sie wirken auf den ersten Blick subtil, stehen für mich aber für persönliche Interessen, Hobbys und Eigenschaften. Ein Pferd und ein Fisch tauchen auf, beide stark mit meinem privaten Leben verbunden. Beide befinden sich bewusst in der helleren, traumhaften Ebene und stehen für Dinge, die mir Freude geben und mich langfristig begleiten.
Der Skorpion befindet sich innerhalb der Sanduhr. Damit steht er nicht mehr für diesen freien, idealisierten Raum, sondern für die Gegenwart und die Entscheidungen, die ich treffen muss.
Ich selbst bin als Figur Teil dieser Szene, eher ruhig und beobachtend. Der Blick geht Richtung Himmel und Sanduhr, in den Bereich zwischen Wunsch und Realität. Für mich steht das für Gedanken, Träume und das Gefühl, sich gedanklich manchmal zu verlieren.
Die Sanduhr ist eines der zentralen Elemente. Sie steht für Zeit, aber auch für Begrenzung. Während außen alles ruhig und ästhetisch wirkt, zeigt sich innerhalb der Sanduhr eine andere Dynamik. Dort bin ich gefangen, drücke gegen das Glas und drohe am herabfallenden Sand und den Rosenblüten zu ersticken. In Verbindung mit dem Skorpion wird diese Ebene noch persönlicher: Zeit ist kein abstraktes Konzept mehr, sondern etwas, das mich direkt betrifft.
Die Blumen, insbesondere die Pfingstrosen, haben für mich einen sehr persönlichen Bezug. Sie stehen für meine Kindheit und die Zeit mit meiner Oma im Garten, für Nähe, Vertrautheit und etwas sehr Positives. Gerade in Kombination mit der Sanduhr entsteht dadurch ein Spannungsfeld zwischen Erinnerung, Vergänglichkeit und Gegenwart.
Das Auge, das in einen Mond übergeht, ist für mich eine Art Beobachter. Es steht für Selbstreflexion und für das Gefühl, dass Dinge einen größeren Zusammenhang haben, nicht im religiösen Sinne, sondern als Gedanke, dass nicht alles zufällig passiert.
Die Kreidelinien um viele Elemente herum sollen bewusst unperfekt wirken und erinnern an etwas Kindliches. Für mich ist das eine Verbindung zu meiner kreativen Seite: Dinge zu zeichnen, zu formen und meine eigene Realität mitzugestalten.
Weshalb der Titel?
Der Titel "Gefangen im Jetzt, getrieben vom Vielleicht" fasst das für mich zusammen. Das "Jetzt" steht für den Moment, aus dem man nicht einfach ausbrechen kann. Das "Vielleicht" für Wünsche, Möglichkeiten und Gedanken, die einen ständig begleiten und antreiben. Gerade in der Zeit, in der ich die Arbeit erstellt habe, war vieles noch offen für mich. Dieser Zustand zwischen Sicherheit und Unsicherheit spiegelt sich in der Arbeit wider. Die Sternschnuppe greift das nochmal auf: Sie steht für Wünsche und Ziele, die einen antreiben können, und dafür, wie man damit umgeht.
Für mich war dieses Projekt mehr als eine gestalterische Aufgabe. Ich habe gelernt, mich von einer rein realistischen Darstellung zu lösen und Bedeutung bewusster einzusetzen. Vor allem habe ich verstanden, dass Gestaltung getragen wird von Entscheidungen, die man erklären kann.
Für diese Collage habe ich Elemente aus mehreren fremden Fotografien verfremdet, freigestellt und neu zusammengesetzt. Da es sich um eine Bildmontage statt eigenständiger Abbildungen handelt, liste ich hier alle verwendeten Quellen auf, statt einzelne Abbildungsnummern zu zeigen.
- Freigestelltes Selbstportrait (Eigene Darstellung, 2025).
- Mond fein säuberlich freigestellt. Quelle: Daniel Ramírez on Unsplash, o.T., 2019, unsplash.com/de/fotos/blick-auf-den-mond-aus-den-wolken-q4TfWtnz_xw [Letzter Zugriff: 01.03.2025]
- Rosa Blüten fein säuberlich freigestellt. Quelle: Marina Reich on Unsplash, o.T., 2019, unsplash.com/de/fotos/rosa-bluten-tagsuber-pbY3BCZGkRA [Letzter Zugriff: 01.03.2025]
- Freigestellte Wolken. Quelle: Daniel Ramírez on Unsplash, o.T., 2019, unsplash.com/de/fotos/blick-auf-den-mond-aus-den-wolken-q4TfWtnz_xw [Letzter Zugriff: 01.03.2025]
- Weiße Wolken fein säuberlich freigestellt. Quelle: Engin Akyurt on Unsplash, o.T., 2020, unsplash.com/de/fotos/weisse-wolken-und-blauer-himmel-tagsuber-A9_IsUtjHm4 [Letzter Zugriff: 02.03.2025]
- Sanduhr freigestellt mit Pfadwerkzeug und Farbauswahl. Quelle: Nathan Dumlao on Unsplash, o.T., 2018, unsplash.com/de/fotos/klare-sanduhr-5Hl5reICevY [Letzter Zugriff: 01.03.2025]